Ethische Leitlinien der CIP-Akademie

Die Psychotherapeutinnen*, Supervisorinnen, Dozentinnen, Selbsterfahrungsleiterinnen, Aus- und Weiterbildungsteilnehmerinnen der CIP Akademie (im Folgenden „Therapeutinnen der CIP Akademie“ genannt) verpflichten sich dazu, die ethischen und professionellen Standards der psychotherapeutischen Profession auf qualitativ hohem Niveau zu halten.
Sie erklären sich mit nachfolgenden ethische Grundsätzen einverstanden:

I. Die allgemeinen ethischen Richtlinien für die Therapeutinnen der CIP Akademie

  1. Die psychotherapeutische Arbeit erfolgt vor dem Hintergrund eines therapeutischerseits individuell zu erfassenden und differenziert zu reflektierenden Problemverständnisses.
  2. Die psychotherapeutische Arbeit kennzeichnet sich im übergeordneten Sinne durch Entwicklungsförderung von Patienten(-familien).
  3. Die Entwicklungsförderung muss von Seiten der Therapeutin derart gestaltet werden, dass die psychotherapeutische Arbeitsbeziehung hinsichtlich Übertragungs- und Gegenübertragungsgeschehen/ Interaktionsgeschehen verantwortungsvoll und professionell gehandhabt wird. Hierzu müssen die Grenzen und Möglichkeiten des therapeutischen Settings hergestellt und über die Zeit der Therapie hinaus aufrechterhalten werden.

II. Spezielle ethische Richtlinien in der Patientenbehandlung

  1. Patientenintegrität
    Eine Psychotherapeutin verpflichtet sich dazu, die Würde und Integrität der Patientin/ der Patientenfamilie zu achten.
    Eine Psychotherapeutin verpflichtet sich dazu, ihr Fühlen und Handeln differenziert zu reflektieren und dadurch die therapeutische Arbeitsbeziehung vor maladaptiven Handlungsimpulsen bzw. vor damit assoziiertem Ausagieren zu schützen.
  2. Abstinenzgebot
    Eine Psychotherapeutin verpflichtet sich dazu, die therapeutische Arbeitsbeziehung durch Abstinenz zu schützen: Sie wird niemals die durch den Berufsstand in der therapeutischen Arbeitsbeziehung entstehende Autorität oder ihre professionellen Kompetenzen zu missbräuchlichen Zwecken einsetzen. D.h.:
    • Sie erstrebt keinen Vorteil durch die Patientin oder deren Familie. Sie geht keine privaten, beruflichen oder ökonomischen Abhängigkeitsverhältnisse mit ihrer Patientin/ der Patientenfamilie ein. Honorare werden vertraglich festgesetzt.
    • In Behandlung, Weiterbildung oder Ausbildung unterlässt sie narzisstischen Missbrauch, Manipulation, politische, weltanschauliche oder religiöse Indoktrination.
    • Sie handelt nicht im Interesse eigener erotischer oder aggressiver Wünsche. Insbesondere geht sie keine sexuellen Beziehungen mit Patientinnen ein.
  3. Aufklärungspflicht („Informed Consent“)
    Eine Psychotherapeutin verpflichtet sich dazu, ihrer Aufklärungs- und Informationspflicht im Sinne des „Informed Consent“ nachzukommen. Hierzu klärt sie ihre Patientinnen(-familie) über die vorgesehenen bzw. verfahrensspezifischen Behandlungsschritte und mögliche Alternativen (s. Verfahren, Therapeutenpersönlichkeit, Setting) auf. Indikation und Behandlungskontrakt werden der Patientin(-nenfamilie) entsprechend ihres kognitiven und emotionalen Entwicklungsstand nahegebracht.
  4. Schweigepflicht
    Eine Psychotherapeutin verpflichtet sich dazu, Mitteilungen der Patientin/ der Patientinnenfamilie auch über deren Tod hinaus vertraulich zu behandeln. Die Schweigepflicht gilt auch für Publikationen, Lehre und Supervisionen. Selbiges erfordert bei Berufsunfähigkeit oder Tod der Therapeutin hinsichtlich aller Patientinnenaufzeichnungen vorsorgliche Maßnahmen zur Wahrung des Datenschutzes . Bei drohender Selbst- oder Fremdgefährdung der Patientin ist ein professionell-verantwortungsvolles therapeutisches Vorgehen abzuwägen, das u.U. auf Basis der Gesetzeslage einen Bruch der Schweigepflicht impliziert.
  5. Gewährleistung therapeutischer Arbeitsfähigkeit
    Eine Psychotherapeutin verpflichtet sich dazu, dass sie nicht in Zuständen eingeschränkter therapeutischer Arbeitsfähigkeit mit Patientinnen(-familien) arbeitet. Sie achtet darauf, sich psychisch und physisch nicht zu überfordern. Sie beachtet, dass Fortbildung, Intervision und Supervision wichtige Bestandteile qualifizierter Psychotherapie sind. Sie ist bei Bedarf zu Supervision, Intervision und weiterer persönlicher Analyse oder Selbsterfahrung verpflichtet.

III. Verfahren bei fraglichen Verstößen gegen die Ethikrichtlinien

In diesem Fall wird der Ethikverein e.V., dessen Mitglied die CIP-Akademie ist, beratend hinzugezogen.

*Aus Gründen der Lesbarkeit wurde im Text die weibliche Form gewählt. Die Angaben beziehen sich auf Angehörige aller Geschlechter.

Kontakt/ Information: ethikverein.de
Stand: 20.02.20